August, der Mattenfeger, interviewt…

August der Mattenfeger war wieder unterwegs und stattete dem Referenten für Prüf- und Lehrwesen des Landesverbandes, Norbert Fahrig, einen Besuch ab, um ihn zu interviewen. Denn es gab einen guten Grund dafür….

August: Norbert, Dir wurde vor kurzem der 6. Dan verliehen. Herzlichen Glückwunsch! Wie fühlst Du Dich? War es eine Überraschung oder eher absehbar?

Norbert: Für mich war es eine riesige Überraschung. Es war nicht absehbar und ehrlich gesagt, habe ich auch nicht im Entferntesten damit gerechnet. Ich habe dann auch die Ehrung anlässlich der jährlichen Hauptausschusssitzung des JVS eher sprachlos und emotional berührt entgegengenommen. Jetzt, ein paar Tage später, überwiegt die Freude darüber, zumal ich jeden Tag Mails mit Glückwünschen beantworten darf.

August: Dein früherer Trainer hatte vor fast genau 30 Jahren ebenfalls einen 6. Dan verliehen bekommen. Im Sportbezirk Dresden bist Du nun seitdem erst der Zweite, dem diese Ehre zu Teil wird. Das macht doch sicher stolz, oder?!

Norbert: Na klar bin ich stolz und zugleich froh darüber, dass in der traditionsreichen Dresdener Judogeschichte, die bis ins Jahr 1934 zurück reicht, nach fast 30 Jahren wieder so eine hohe Ehrung vorgenommen wurde. An dieser Ehrung haben viele, die mich gefördert und gefordert haben, einen großen Anteil daran. Nicht zuletzt mein erster Judolehrer, Herbert Ehrlich, der lange Jahre als Trainer und internationaler Kampfrichter gearbeitet hat. Ich konnte ihm anlässlich seines 90. Geburtstages ein Erinnerungsfoto mit „Bahnschranke“ überreichen. Er war sehr gerührt und hat sich riesig gefreut, dass einer seiner ehemaligen Jungs „gleichgezogen“ hat.

August: Kannst Du uns kurz erzählen, wie Du eigentlich zum Judo gekommen bist?

Norbert: Das ist eine ganz kurze Geschichte: Ich habe mich, so wie für echte Jungs üblich, damals im Alter von 14 Jahren nach der Schule mit meinen Kumpels gerauft. Freundschaftlich natürlich. Wahrscheinlich beeindruckt von meinem Kampfgeist (Norbert lacht) fragte mich einer, ob ich nicht mal mit ihm zum Judo kommen möchte. Sofort  sprang der Funke an dieser unbekannten Sportart über. Ich habe mit viel Interesse die Techniken gelernt und konnte schon nach 2 Monaten meine erste Kyuprüfung ablegen. Anschließend habe ich viele Kämpfe bestritten und immer nach Erreichen der notwendigen 10 Kampfpunkte habe ich die nächste Prüfung absolviert und bin so im ersten Jahr bis zum blauen Gürtel gekommen. So begann mein noch immer andauernder Judo- Weg.

August: 1970 hast Du Deinen 1. Dan abgelegt. Kannst Du Dich noch an diese Prüfung erinnern? Wie ging es Dir dabei?

Norbert: Wie es mir bei der ersten Danprüfung ging, kann ich nicht mehr genau sagen – nur so viel, dass die Prüfung beim Sportclub Dynamo Hoppegarten stattfand und ich mit meinem Partner Reiner Gohlke eine ordentliche Leistung abgeliefert habe. Aber an die anderen Danprüfungen kann ich mich noch im Detail erinnern. Besonders in Erinnerung ist bei mir die Prüfung zum 5.Dan, die ich mit meinen Freunden aus Riesa im Alter von 58 Jahren mit guten Leistungen bestehen konnte. Ich war aufgeregt wie ein kleiner Junge, aber alles ging gut. Das war schon etwas Besonderes in meiner Judolaufbahn.

August: Norbert, was mich beeindruckt hat, ist, dass Du mehr als 1000 Kämpfe auf nationaler und internationaler Ebene ausgetragen hast und u.a. auch Mitglied der DDR Jugend-Nationalmannschaft warst. War diese Leistungssportzeit damals wesentlich anders als die heutige?

Norbert: Aus sportlicher Hinsicht war meine aktive Zeit mit der von heute durchaus vergleichbar. Um erfolgreich zu sein, musste man damals wie heute viel und hart trainieren, mental stark sein und möglichst von Verletzungen verschont bleiben.  Dazu kam aber noch die zusätzliche Motivation, das Land auch mal in eine andere Richtung als den „Osten“ verlassen zu können. Die Rahmenbedingungen, unter denen Leistungssport betrieben wurde, sind natürlich mit denen zur heutigen Zeit nicht mehr vergleichbar. Das betrifft sowohl das System, wie ein langfristiger Leistungsaufbau realisiert wird, als auch die Möglichkeiten der beruflichen Entwicklung neben der Leistungssportkarriere.

August: Mittlerweile bist Du Referent für Lehr- und Prüfwesen. Was ist genau Deine Aufgabe und hat Dein Judowerdegang darauf auch inhaltlichen Einfluss?

Norbert: Ich bin als Lehrreferent verantwortlich für Ausbildung und Lizenzierung der Trainer im JVS und die Umsetzung der Lehrziele, die uns vom Deutschen Judo – Bund vorgegeben werden. Dabei werde ich von einem Referententeam von Spezialisten tatkräftig unterstützt. Das betrifft insbesondere die praktischen Komponenten der Ausbildung als auch Themen wie Sportmedizin, Pädagogik und Recht. Natürlich profitiere ich von meinen Erfahrungen im Judo, die ich in den vielen Jahren gesammelt habe. Ich kann so leicht praxisnah Themen vermitteln und kenne auch die Probleme und Sorgen der Trainer und Lehrgangsteilnehmer. Eine ähnliche Aufgabenstellung muss im Prüfungswesen gemeistert werden. Da kann ich mich auf ein Prüferteam mit jahrelanger Erfahrung verlassen. Mein besonderes Augenmerk gilt auch dabei der Gewinnung und Förderung von jungen Trainern und Sportlern, die mal meine Aufgaben übernehmen sollen.

August: Wirst Du nun Deinen rot-weißen Gürtel immer tragen?

Norbert: Nein, der bleibt für besondere Anlässe. Ich habe nach Verleihung natürlich den Obi beim ersten Training getragen, um ihn auch im Verein zu zeigen, denn allzu oft sieht man ja so einen nicht. Wenn ich über Judo und seine Geschichte erzähle oder zu Anlässen, bei denen ich als Referent tätig bin, dann trage ich auch den Ehren-Dan.

August: Auf dem Weg zum 7. Dan?

Norbert: (Norbert lacht) Ziele sollte man immer haben, denn wenn man keine hat, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man nicht vorankommt. Aber nein, dieses konkrete Ziel habe ich definitiv nicht, zumal meine Lebens- und Judozeit nicht reichen wird, um die Kriterien, die zur Verleihung eines nächsten Dangrade notwendig sind, zu erfüllen. Es gilt auch für mich: „Der Weg ist das Ziel – nicht der Dangrad“

August: Nun noch eine letzte Frage für die jüngeren und jüngsten Leser: Hattest Du auch mal eine Tiefphase auf Deinem erfolgreichen Judo-Weg bis heute und hast Du Tipps?

Norbert: Natürlich. Ich glaube, jeder hat das und ich habe sogar einmal ein paar wenige Jahre aufgrund meiner beruflichen Belastung pausiert.

Als ich noch als Jugendlicher im Leistungssportzentrum trainiert habe und es um die Qualifikation zur Europameisterschaft ging, wollte ich natürlich so gut sein, dass ich die Nominierung schaffe. Leider ist ein anderer gefahren, der dann aber auch Europameister wurde.

Ich musste nach einiger Zeit als Nachwuchskader feststellen, dass ich durch meinen späten Beginn mit 14 Jahren an  besonders guten und bisher erfolgreichen Judoka nicht so einfach vorbeikam. Deshalb habe ich beschlossen, den Leistungssportweg zu verlassen und mich meiner beruflichen Zukunft zu widmen. Diese Entscheidung hat letztendlich meinen weiteren Lebensweg zum Glück positiv bestimmt. Ich begann mein Studium der Informationstechnik an der TU Dresden und holte für den dortigen Judoverein die allererste Goldmedaille bei den Studentenmeisterschaften der DDR. Das hat mich schon stolz gemacht und letztendlich war das Studium die Grundlage für mein gesamtes berufliches Leben. Durch die Eigenschaften, die ich mir in den 54 Jahren Judo angeeignet habe, konnte ich auch einige kritische Phasen in meinem Berufsleben erfolgreich meistern. Wenn man Judo so mit Leidenschaft betreibt wie ich, kann man sich immer wieder motivieren und kommt schnell mal aus Tiefphasen heraus.

Vielleicht noch ein Tipp für die Jüngeren:

„Wer Großes will, muss zuerst das Kleine tun. Man lernt wenig von seinem Siege, aber viel von seiner Niederlage“.

August: Norbert, herzlichen Dank für dieses spannende und interessante Gespräch! Dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg!

 

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