Trainer-und Prüferfortbildung auf dem Rabenberg

Die erste Fortbildung der sächsischen Judotrainer in diesem Jahr fand am 7. und 8. September, als eine von 5 Lehrgängen des Sportjahres, auf dem Rabenberg statt. Obwohl die Veranstaltung wie immer gut organsiert und rechtzeitig ausgeschrieben wurde, stand sie dennoch anfangs unter keinem guten Stern. Wenige Anmeldungen erreichten initial die Organisatoren um den Lehr- und Prüfungsreferent des JVS, Norbert Fahrig. Seiner Beharrlichkeit und der Geschäftsstelle dankend, wurde an dem Lehrgang festgehalten und es konnten bis kurz vor Beginn des Wochenendes noch ausreichend Teilnehmer registriert werden.

Pünktlich 9:00 am Samstag früh eröffnete der Lehr-und Prüfungsreferent die Fortbildung im Seminarraum. Dem Spruch: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ folgend, gab es einen notwendigen theoretischen Überblick zu den Lehrgangsinhalten, der aktuellen Struktur im Trainerwesen, sowie den Zielen, Wünschen und Vorgehensweisen als verantwortungsvoller Teil eines Ganzen im Judoverband Sachsen. Profunde Kenntnisse dazu sind nun mal unabdingbar, um ein erfolgreiches  Training an der Basis in den Vereinen strukturieren zu können.

Die Praxis und das Umsätzen der Theorie bestimmten daraufhin nahtlos die Abläufe des Wochenendes. Hochmotiviert schwangen sich alle Teilnehmer in ihre Judo-Gi und erfüllten die Matte mit Judosport. Ein jeder konnte, musste und wollte seinen Teil beim gemeinsamen Training einbringen. So wurden die Kyu-Techniken in Prinzipien und Ausführungen erörtert, Schwerpunkte der verschiedenen Blickwinkel besprochen und natürlich ausreichend geübt. Den kritischen aber stets wohlwollenden Augen unseres Lehr-und Prüfungsreferenten entging dabei kein Detail. Technisch gut aufgestellt, kamen Videodemonstrationen am Mattenrand zum Einsatz, welche zum Nachmachen anspornten. Ebenfalls wurde kritisch diskutiert, was an Erwartungen und Voraussetzungen in verschiedenen Trainingsgruppen sinnvoll und wünschenswert wäre. In diesem Kontext erarbeiteten die Teilnehmer Lösungsansätze und brachten ihre persönlichen Erfahrungen und Expertisen ein. Der, wie gewohnt, sehr leckere Mittagstisch auf dem Rabenberg ließ den reichlichen Erfahrungsaustausch anschließend nicht abbrechen.

Am Nachmittag des ersten Tages waren Urgesteine des sächsischen Judos als Referenten geladen. Diese folgten dem Ruf in die Sportstätte nahe der tschechischen Grenze mit großem Engagement und hatten jede Menge, teils sehr humoristische Kniffe im Handgepäck. So bewies Dirk Hilbig sein pädagogisch erfahrenes Händchen, welches er auf den Bereich des Jugendtrainings ummünzte. Impressionen zur Gestaltung und Vermittlung von Judoprinzipien auf spielerische Art und Weise mit doch einfachen, aber auch sehr effektiven Hilfsmitteln aus dem „Faschingsladen“ konnten die Lehrgangsteilnehmer am eigenen Leibe ausprobieren. Schnell wurden tatsächlich alle einmal wieder kurz zum Kinde. Gute Methodik, einen Blick für Knackpunkte und exzellente Motivationsfähigkeit bilden die Grundlage für eine fundierte Basisausbildung der Judojugend. Hier konnte Dirk adäquate Anreize zur Umsetzung anbieten. Den Spaßfaktor bei den Teilnehmern kann sich jeder bildhaft vorstellen.

In der darauffolgenden Trainingseinheit hatte kein geringerer als der JVS Vize-Präsident  Ulrich Häßner die Matte als Referent betreten. Hier sprach jahrzehntelange Mattenerfahrung als Kampfsportler verschiedener Stile, Kampfrichter und Trainer. Das aktuelle und sehr mannigfaltige Regelwerk der Wettkampfordnung in den verschiedenen Altersklassen brachte und bringt selbst ihn zeitweise an den Rand der Verzweiflung. Wir waren also nicht allein damit. Nichtsdestotrotz arbeiteten wir uns mit viel Witz und Akribie durch die Wirren des Erlaubten, was nun einmal eine wichtige Säule eines Judotrainers im Jugendbereich darstellt. Weiterhin sprach Uli Anregungen und Aufmunterungen aus, judospezifische Selbstverteidigung in das Portfolio des Vereinstrainings aufzunehmen. Seinen ausgiebigen praktischen Erfahrungen ist es zu verdanken, dass Authentizität und Effektivität hier in höchstem Maße Anwendung fanden. Mittel und Wege abseits der Wettkampfmatte den Gegner zu Boden zu bringen und somit über den Tellerrand zu schauen, nahmen alle Lehrgangsteilnehmer sehr gerne und fleißig an, was wiederum der guten Atmosphäre und dem Spaß am Ende des ersten, langen Tages mehr als diente. Uli wurde mit breitem Grinsen aller Judoka von der Matte verabschiedet – unser hochachtungsvoller Dank ist ihm gewiss.

Zum Ausklang des Tages trat unser Norbert wieder in den Vordergrund. Jener begeisterte mit Bildern, Videos und Erzählungen von seiner jüngst beendeten Japanreise. Die dortige Weltmeisterschaft lieferte viel Stoff über die derzeitigen Geschehnisse auf internationaler Matte und am Mattenrand. Gleichsam beeindruckend waren die Berichte über Land und Leute, über die heilige Judostätte des Kodokan und die Entwicklung des deutschen Judo im internationalen Vergleich. So lauschten wir dem Lehrgangsleiter über das reichhaltige Abendessen hinaus in lockerer Runde. Ein Erfahrungsaustausch bis in den späten Abend, welchen man nur in solcher Runde geboten bekommt, und der umso prägender ist, wenn man ganzheitlich den Judogeist als ein gemeinsames Hobby für sich versteht.

Wettkampforientierte Techniken und Trainingsaufbau füllten den zweiten Tag der Fortbildung. Dazu war Denis Herbst aus Leipzig angereist. Stand, Übergang-Stand-Boden, und Boden lieferten genügend Aufgaben, die es zu bewältigen galt. Dem Leipziger Stützpunkttrainer U18/U21 war es ein Leichtes, über die aktuell erfolgreichen Techniken auf der Leistungssportmatte zu berichten. Unter seiner professionellen Anleitung rückte die Grundkampfkonzeption, kurz GKKZ abermals in den Vordergrund. Hier ist keiner zu alt, keiner zu schlau, keiner zu perfekt, als dass es sich nicht lohnt, Rat und Tat vom Experten der Materie „aufzusaugen“. Denis hat mit seiner offenen und auch geduldigen Art und Weise neue Impulse gesetzt, welche nun durch die „trainierten Trainer“ in die Vereine des Landes getragen werden. 

Zum Ende des Lehrganges konnte Norbert Fahrig einem jeden Teilnehmer die erfolgreiche Lizenzverlängerung  bescheinigen und ein unfallfreies, sowie dann auch noch sonniges Wochenende neigte sich dem Ende.

Wir danken dem Judoverband Sachsen, insbesondere Norbert Fahrig, für die Durchführung der Fortbildung, durch welche die Trainer wieder ein Stück auf dem lebenslangen  Lernweg voran gekommen sind.

Autor: Dr. Danny Scheidthauer  ESV Lok Chemnitz

 

 

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