„Ich war doch selbst mal ein Judoknirps“

Das war ein ganz besonderes Geschenk zum 25. Vereinsjubiläum: Olympiasieger Ole Bischof hat am Dienstag mit den Athleten des ASV Oelsnitz trainiert und gefachsimpelt.

Über einen berühmten Trainingsgast staunten am Dienstag nicht nur die Judoka des ASV Oelsnitz. Ole Bischof, als Olympiasieger von 2008 und Olympiazweiter von 2012 einer der erfolgreichsten Deutschen in dieser Sportart, verbrachte einen ganzen Trainingsnachmittag mit den ASV-Athleten. Zur Freude der 81 Vereinsmitglieder um ihren Vorsitzenden Mike Hertel – 60 davon sind Kinder – war er auch bei der abendlichen Festveranstaltung zum Vereinsgeburtstag zugegen. Der ASV ist im November 1994 aus der damaligen Polizeisportvereinigung Oelsnitz hervorgegangen.

Erwartungsvoll gingen zunächst die kleinen ASV-Judoka mit dem Olympiasieger von Peking, der vier Jahre später in London noch Silber holte, auf die Matte. „Das ist so cool, dass er hier ist“, freute sich beispielsweise der neunjährige Dominik Roth. „Ich will heute noch etwas von ihm lernen. Bisher hat es einen Riesenspaß gemacht.“ Das lockere Training mit dem stets zu Späßen aufgelegten Münchner machte den Knirpsen sichtlich Laune und sorgte für den einen oder anderen Lacher. Vor allem, als Bischof den stellvertretenden ASV-Vorsitzenden Thomas Benkert vor aller Augen aufs Kreuz legte.

Benkert war es auch gewesen, der den prominenten Sportler nach Oelsnitz gelotst hatte. Schon zwei Jahre zuvor hatte sich auf seine Bitte hin Luise Malzahn, Olympiafünfte von Rio de Janeiro, für zwei Stunden als Übungsleiterin für die begeisterten ASV-Talente zur Verfügung gestellt. Danach war für den Judo-Enthusiasten klar: „Ich will auf alle Fälle mal den Ole Bischof zu uns in den Verein holen.“ Einfach sei es nicht gewesen. „Aber wir wollten den Kindern mal so ein Erlebnis bieten und als Motivation zeigen, was man alles erreichen kann“, so Thomas Benkert.

„Ich hatte Ole Bischof zunächst angeschrieben, bekam aber keine Antwort“, erzählt Benkert. „Meine Tochter hat dann über Facebook seine Handynummer rausgekriegt, aber auch da habe ich ihn nicht erreicht. Erst, als ich die Hoffnung fast schon aufgeben wollte, hatte ich seine Nummer plötzlich auf dem Handy und habe natürlich sofort zurückgerufen.“ Bischof habe sich als bodenständiger, aufgeschlossener und freundlicher Gesprächspartner erwiesen und sein Kommen sofort zugesagt. Benkert: „Als er aber meinte, dass er uns den ganzen Tag zur Verfügung steht, dachte ich: Na hoffentlich wächst uns das jetzt nicht über den Kopf.“

Das tat es nicht, und auch Olympiasieger Ole Bischof selbst machte der Tag beim ASV Oelsnitz, an dessen Ende er sich mit einem Blumengesteck und einem Wurstpaket als speziellem Dankeschön wieder auf den Heimweg machte, sichtlich Freude. „Ich war doch selbst mal ein Judoknirps und liebe diesen Sport immer noch sehr“, lachte Ole Bischof. „Und es ist immer wieder erfrischend, jungen Menschen Judo mal aus einem anderen Blickwinkel vorzustellen. Es hat mir riesig Spaß gemacht, an der Basis mit jungen Leuten ehrlichen Sport zu treiben.“

 

Text: Freie Presse, 18.12.2019

Bilder: Thomas Benkert

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