Missbrauchsvorfall in Seifhennersdorf

Information des Vorstandes zum Kindesmissbrauchsfall in Seifhennersdorf

Liebe Sportfreundinnen und Sportfreunde,

In den letzten Tagen wurde wohl kein Thema in der sächsischen Judolandschaft öfter diskutiert, als das des Missbrauchsvorfalls im BV Seifhennersdorf. Der Vorstand des JVS verurteilt das Geschehene auf das Schärfste. Es ist unfassbar! Es ist schrecklich! Im JVS gilt für solche Taten eine Null-Toleranzschwelle. Sofort mit Bekanntwerden des Kindesmissbrauchsfalles, den Informationen zu damit in Zusammenhang stehenden Ermittlungsverfahren und des Gerichtsprozesses (Urteil noch ausstehend), von dem der Vorstand auch erst aus den Medien erfahren hatte, wurden umgehend alle betreffenden Gremien des Judosports und des LSB  informiert. Neben den JVS-eigenen Stellen wie Rechtsausschuss, Jugendleiterin und Kinderschutzbeauftragtem wurde auch die Justiziarin des LSB unterrichtet. Weiterhin wurden der Vorstand und das Präsidium des DJB informiert und ein intensiver Austausch mit dem DJB-Rechtsausschuss erfolgte. Der Vorstand hat schon am Abend des Bekanntwerdens den Beschluss gefasst, dem betreffenden Trainer alle Lizenzen abzuerkennen, ihm Hausverbot für alle JVS-Maßnahmen zu erteilen und auch dessen Berufung in die Danprüfungskommission aufzuheben. Weiterhin empfiehlt der Vorstand des JVS dem Verein, ein Ausschlussverfahren einzuleiten. Noch bevor die Maßnahmen durch den Rechtsausschuss des JVS schriftlich zugestellt werden konnten, teilte der betreffende Trainer dem Vorstand mit, dass er alle seine Lizenzen zurückgibt, aus der Danprüfungskommission austritt und sich aus allen Ämtern und Funktionen im Verein zurückzieht. Weiterhin gab er bekannt, künftig an keinen weiteren Maßnahmen des JVS teilzunehmen. Dies zur strukturellen Information, der sofortigen Sanktionierung durch den Vorstand des JVS und die Einordnung des Falles  aus verfahrenstechnischer Sicht. 

Viel wichtiger ist nun jedoch, das Geschehene aufzuarbeiten. Als Vater zweier Kinder ist es für mich schwer, meine Gedanken mit Bedacht in Worte zu fassen. Als Präsident des JVS ist es für mich schwer, zu akzeptieren, dass so etwas in unserer Mitte geschehen konnte. Diese Mischung aus Wut, Ratlosigkeit, Enttäuschung und der ständigen Frage, wie wir alle gemeinsam dafür sorgen können, dass etwas derartig Schlimmes nie wieder geschieht, beschäftigt mich, den Vorstand und sehr viele, mit denen ich mich in den letzten Tagen unterhalten habe. Der JVS ist, und dies wurde uns in der Vergangenheit auch mehrfach von den zuständigen Gremien des DJB und des LSB bestätigt, in der Thematik der Prävention vor sexueller Gewalt ein sehr professioneller und vorbildlicher Verband. Dank Thomas Buchmann, unserem Kinder- und Jugendschutzbeauftragten, ist das Thema fester Bestandteil in der Aus-und Fortbildung, unser Präventionskonzept “Kinderschutz im Sport” wurde von ihm entwickelt und wird derzeit überarbeitet, um auch im Rahmen der Mitgliederversammlung des JVS und des Judofestivals neu aufgearbeitet vorgestellt zu werden. Die Erfassung der Führungszeugnisse und die Archivierung der Ehrenkodexe ist Dank der Verantwortlichen im Lehr- und Prüfungswesen und der Geschäftsstellenmitarbeiter vorbildhaft. Auch der betreffende Trainer hatte beide Dokumente zum Verlängerungslehrgang seiner Trainer C-Lizenz abgegeben. Leider hat auch das diese schlimmen Taten nicht verhindern können. Und nein! Auch wenn der letzte Satz Wasser auf die Mühlen der Gegenredner von Führungszeugnis und Ehrenkodex zu sein scheint, weil jemand damit argumentiert, dass damit nur die schwarzen Schafe herausgefiltert werden können, die bereits etwas auf dem Kerbholz haben: Der JVS wird nun noch stärker daran festhalten und die Einhaltung dieser Vorgaben noch intensiver kontrollieren und immer wieder auf die Erbringung der Dokumente pochen! Und auch darüber hinaus werden wir alle gemeinsam noch mehr Anstrengungen unternehmen müssen, um unsere Judosportler*innen, egal in welchem Alter, vor Übergriffen zu schützen. Die Überlegungen gehen zur verbindlichen Benennung und Ausbildung eines Mitgliedes in jedem Verein zur/m Ansprechperson und Beauftragten für sexualisierte Gewalt, um jedem Verein eine fachkundige und für das Thema sensibilisierte Person zur Seite zu stellen. Zudem müssen allen Mitgliedern in den Vereinen, Eltern und auch ehrenamtlich Tätigen unabhängige Beratungsstellen benannt werden, um außerhalb des eigenen Vereines eine Anlaufstelle zu erhalten. In den nächsten Tagen wird sich Thomas Buchmann mit einem Rundschreiben und klaren Verhaltensleitlinien an alle Vereine des JVS wenden. Zum wiederholten Mal. Oft schon haben wir im Zuge der Lizenzverlängerungslehrgänge dazu sensibilisiert. Es hat nicht gereicht! Im Rahmen des JVS-Festivals vom 6.-8. Mai wird es eine ausführliche Schulung zur Thematik geben. Die Schulungen werden intensiviert werden, sei es im Rahmen von Lizenzlehrgängen, Jugendveranstaltungen oder bei explizit dafür ausgewiesenen Maßnahmen des JVS. Lasst uns alle gemeinsam für eine sichere Zukunft aller Judotreibenden in Sachsen sorgen. Wir dürfen eines nicht vergessen: Stets ist immer nur die Rede von den Tätern und Verbesserungen im System. Leidtragend ist immer das Opfer! Auch hier will und wird der JVS tätig werden. Auch der Opferschutz und die Betreuung derer, denen Leid angetan wurde, sollte als großes Aufgabenfeld gesehen werden.

Eins bleibt letztlich festzuhalten: Wir alle haben als Trainer, Funktionäre, Kampfrichter oder in welcher Vereins- oder Verbandsfunktion auch immer, einen ungeheuer großen Vertrauensvorschuss von unseren erwachsenen Judosportlern und auch von den Eltern der Kinder, die sie in  unsere Obhut während Wettkämpfen und im täglichen Training geben, erhalten. Dieser Vertrauensvorschuss schmilzt durch Taten wie die in Seifhennersdorf drastisch. Die fleißige und tolle ehrenamtliche Arbeit des überwiegenden Anteils unserer  Mitglieder wird durch solche Taten diskreditiert, die betreffenden Sportler*innen und unser Sport nehmen Schaden. Lasst uns alle gemeinsam alles dafür tun, dass keinem einzigen Mitglied unserer Vereine jemals wieder ein Leid angetan wird und dass unsere tolle Sportart nicht durch Gewalttaten gegen die grundlegenden Werte unseres Sports in Frage gestellt wird.

Im Namen des Vorstandes des JVS,

 

Frank Nitzel,

Präsident des Judo-Verbandes Sachsen e.V..

 

Solltet ihr/Sollten Sie, egal welchen Alters, von sexualisierter Gewalt im Sport betroffen sein, möchten wir verbandsintern als Kontaktperson Thomas Buchmann (thomas.buchmann@judoverbandsachsen.de) oder jedes andere Mitglied des Vorstandes als vertrauensvolle Ansprechpartner benennen. Sollte sich jemand an eine judounabhängige Stelle wenden wollen, so möchten wir als Ansprechperson des Landessportbundes Sachsen gern auf Hannes Günther (guenther@sport-fuer-sachsen.de) verweisen.

 

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