Zwischen Koka und Ippon oder Warum man auf der Matte steht und den Arm hebt

Es war 1965 als ich mich als Kind bei SV Sachsenwerk, Judo angemeldet habe, also schon vor langer Zeit. Später als Erwachsener und Trainer im Verein, fuhren wir mit den Kindern regelmäßig zu Wettkämpfen. Ich weiß heute nicht mehr wer, aber einer fragte mich, ob ich nicht Kampfrichter werden möchte und so lernte ich Werner Pfau kennen und legte 1996 in Freiberg die Prüfung zum Bezirkskampfrichter ab.

Nun änderte sich für mich vieles! Vor der Matte stehen und darauf sind doch zwei verschiedene paar Schuhe. Es gab damals noch zahlreiche große und kleinere Wettkämpfe in Dresden, Bautzen, Kamenz, in Aue und Döbeln, in Riesa.

Man stand zu dritt auf der Matte und die Wertungen wie Koka und Yuko kennen die heutigen Kampfrichter nur aus Erzählungen. Gerhard Garand war es dann, welcher mich fragte, ob ich nicht die Lizenz als Landeskampfrichter erwerben möchte. Dies war nun doch eine andere Herausforderung, aber Gerhard war ein guter Lehrmeister und so war es dann 2004 so weit. Nun wurde alles anders, schwieriger und verantwortungsvoller, denn die Landesebene mit ihren Ligen und Landesmeisterschaften ist anspruchsvoller.

Ich lernte den „Rabenberg“ kennen, den Sachsenabend, auf den man sich jedes Jahr gefreut hat und die drei Tage Weiterbildung auf Landesebene. Die Kampfrichtergemeinde zeigte sich als super Team und man wurde einfach in der Runde als neuer Kari aufgenommen. Das Gefühl der Gemeinschaft und der Zusammenhalt in der Runde der Kampfrichter war einfach schön und muss man erlebt haben.

Nun reihten sich Wettkämpfe an Wettkämpfe, das Regelwerk änderte sich ständig, doch der Zusammenhalt auf der Matte blieb. Von drei Kampfrichtern stand nun nur noch einer direkt auf der Fläche, das Care-System wurde eingeführt und dann 2022 auch mit zwei Kameras. War man erst skeptisch gegenüber der neuen Technik, ist jetzt doch jeder Kampfrichter froh, diese Möglichkeit nutzen zu können. Die Wertungen der Wettkampfleistungen wurde objektiver.

Rückschauend hat sich in den letzten Jahren das Kampfrichterwesen wesentlich verändert und verbessert. Die Aus- und Weiterbildung war in Sachsen immer sehr gut. Das merkt man auch, wenn man einmal in einem anderen Bundesland mit anderen Kampfrichtern auf der Matte steht. Um den Nachwuchs mache ich mir keine Sorgen, es sind inzwischen manch junges Gesicht bei den Wettkämpfen zu sehen.

Was bleibt? Viele Freundschaften, das Gefühl einmal einer großen Kampfrichtergemeinschaft in Sachsen angehört zu haben, viele schöne Erinnerungen an dolle Wettkämpfe, an richtige und leider auch mal fehlerhafte Entscheidungen, an verständnisvolle Trainer mit ihren Schützlingen, an Videoauswertungen auf dem Rabenberg und immer wieder der gute Zusammenhalt unter den Kampfrichtern!

Es war für mich eine schöne Zeit, welche nun langsam zu Ende geht und der Funktion als Landeskampfrichter sage ich ade. Danke an alle, welche mich auf dem Weg begleitet und unterstützt haben, mit denen ich viele Wochenenden unterwegs war!

Warum mir der Abschied leicht fällt ….

 

Hallo Buschi,

 

zuallererst, falls es dir sonst noch niemand gesagt hat, ein großes Dankeschön! Dass du dir gemeinsam mit uns die Wochenenden um die Ohren gehauen hast; dass du immer mit dabei warst; dass man sich auf dich immer verlassen konnte. Du warst auf jeden Fall einer derjenigen, die den gesamten Wettkampfbetrieb in Sachsen am Laufen gehalten haben. Und ich muss sagen, ich hab auch immer gern mit dir zusammen geschiedst. Ich denke, nach all den Jahren hast du dir ein paar freie Wochenenden verdient ;-).

 

Hin und wieder sehen wir uns sicher trotzdem noch. Bis dahin wünschen wir dir auch alles Gute und einen schönen Kari-Ruhestand.

 

Text und Bild: Matthias Busch

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